Erster Schritt: der Preis von Reserven und kurzfristige Märkte
Banken halten Reserven bei der Zentralbank und leihen kurzfristig Mittel oder legen Überschüsse an. Die EZB-Leitzinsen bestimmen den Preis ausgewählter Zentralbankgeschäfte und verankern sehr kurzfristige Marktzinsen. Verschiebt sich dieser Anker, ändern sich Finanzierungskosten und Renditen sicherer kurzfristiger Anlagen.
Märkte blicken jedoch nach vorn. Ein längerer Zins hängt von erwarteten künftigen Zinsen, Inflation, Wachstum und Risiko ab. Ein auf zehn Jahre festgeschriebener Baukredit muss sich daher nicht am selben Tag um genau denselben Betrag bewegen wie ein einzelner EZB-Satz. Die Bank rechnet zudem Kosten, Kreditrisiko, Kapital und Marge ein.
Mehrere Kanäle statt eines einzigen Rohrs
Der Zinskanal verändert den Preis neuer Kredite und die Vergütung des Sparens. Der Kreditkanal beeinflusst Fähigkeit und Bereitschaft der Banken zur Kreditvergabe. Anleihe-, Aktien- und Immobilienpreise verändern Vermögen und Finanzierungsmöglichkeiten. Der Wechselkurs wirkt auf Ein- und Ausfuhrpreise. Die Kommunikation der Zentralbank prägt Erwartungen.
Werden Kredite teurer, verschieben manche Haushalte den Immobilienkauf und Unternehmen eine Investition. Höhere Sparrenditen können Konsum aufschieben. Schwächere Nachfrage vermindert Druck auf Kapazitäten, Löhne und Preise. Bei Zinssenkungen kann die Richtung umgekehrt sein, aber nie mechanisch: Kreditnehmer, Sparer und Exporteure erleben dieselbe Änderung unterschiedlich.
- Marktzinsen und Erwartungen
- Kredit- und Einlagenzinsen der Banken
- Vermögenspreise und Sicherheiten
- Wechselkurs und Einfuhrpreise
- Konsum, Investitionen, Löhne und Endpreise
Die Übertragung ist langsam, wechselhaft und ungleich
Die EZB selbst spricht von langen, variablen und unsicheren Verzögerungen. Bestehende Kredite können fest verzinst sein, Unternehmen aus Eigenmitteln investieren und Banken Änderungen unterschiedlich schnell weitergeben. Gleichzeitig wirken Energiepreise, Steuern, Auslandsnachfrage und geopolitische Schocks. Spätere Inflation lässt sich deshalb nicht einfach einer einzigen Sitzung zuschreiben.
Die Politik hat auch Verteilungswirkungen. Höhere Zinsen können neuen Sparern helfen, Kreditnehmer bei der Anschlussfinanzierung aber belasten. Sie können Vermögenspreise, Investitionen und Beschäftigung dämpfen. Die Zentralbank zielt auf Preisstabilität insgesamt; gezielte Hilfe für einzelne Gruppen ist vor allem Aufgabe gewählter Regierungen.
Zinsen verschwinden in einer Bitcoin-Wirtschaft nicht
Das Bitcoin-Protokoll hat keinen Ausschuss für einen Leitzins. Das bedeutet nicht, dass Zinsen null wären. Wer BTC verleiht, verzichtet auf Liquidität, übernimmt Gegenparteirisiko und kann eine Vergütung verlangen. Der Marktzins kann sehr hoch sein, besonders bei schwacher Besicherung oder Durchsetzbarkeit.
Bitcoins feste Emission entfernt einen geldpolitischen Kanal, nicht Konjunkturzyklen, Kreditausfälle oder Änderungen der Geldnachfrage. Bei einer härteren Geldregel müssten Preise, Löhne, Insolvenzen und private Puffer mehr Anpassung tragen. Manche sehen darin den Vorteil einer bindenden Regel, andere die Gefahr geringerer Flexibilität.