Der Euro ist eine Einheit, nicht eine einzige Art von Gegenstand
Wer sagt „Ich habe hundert Euro“, kann Banknoten im Portemonnaie oder ein Guthaben auf dem Bankkonto meinen. Beides wird in derselben Währung gemessen und lässt sich zum Bezahlen verwenden, rechtlich und bilanziell ist es jedoch nicht identisch. Eine Banknote ist Zentralbankgeld; eine Einlage ist die Forderung des Kunden gegenüber einer bestimmten Geschäftsbank.
Die gemeinsame Preisangabe verdeckt also ein mehrstufiges System. Ein Händler nimmt eine Kontozahlung fast wie Bargeld an, weil Banken, Zahlungsnetze, Aufsicht und Abwicklungsregeln darauf hinwirken, dass ein Euro Einlage gewöhnlich gegen einen Euro Bargeld getauscht werden kann. Diese Konvertibilität ist eine institutionelle Leistung und keine physische Eigenschaft der Zahl auf dem Bildschirm.
Zentralbankgeld hat zwei Hauptformen
Für die Bevölkerung sind Banknoten die sichtbarste Form. Euromünzen werden rechtlich von den Mitgliedstaaten des Euroraums in einem von der EZB genehmigten Umfang ausgegeben. Zugelassene Banken halten außerdem elektronische Guthaben bei den nationalen Zentralbanken des Eurosystems. Diese Reserven dienen der Abwicklung zwischen Banken, der Geldpolitik und dem Liquiditätsmanagement.
Reserven sind keine gewöhnlichen Haushaltskonten. Das Guthaben in der App eines Kunden bedeutet nicht automatisch, dass derselbe Reservebetrag auf dessen Namen zurückgelegt wurde. Die Bank verbucht eine Verbindlichkeit gegenüber dem Kunden und verwaltet Reserven, Bargeld und andere Vermögenswerte für das Institut als Ganzes.
- Bargeld: physisches Geld für die Öffentlichkeit
- Reserven: elektronisches Zentralbankgeld für zugelassene Institute
- Bankeinlagen: Geschäftsbankgeld für Haushalte und Unternehmen
Das meiste zum Bezahlen genutzte Geld besteht aus Bankeinlagen
Eine Geschäftsbank schafft eine Einlage hauptsächlich, wenn sie einen Kredit vergibt und beide Seiten ihrer Bilanz verlängert. Die Einlage kann per Karte oder Überweisung übertragen, bar abgehoben und nach den Kontobedingungen gehalten werden. Ihre Verlässlichkeit beruht auf den Vermögenswerten, dem Kapital und der Liquidität der Bank, auf Regulierung sowie auf ihrer Fähigkeit, Zahlungen abzuwickeln.
Statistiken verwenden deshalb mehrere Geldmengenaggregate. Ein enges Aggregat enthält besonders liquide Formen; eine breitere Größe kann Termineinlagen und bestimmte leicht veräußerbare Instrumente ergänzen. Die Grenze zwischen Geld und „geldnahen“ Anlagen hängt von der Definition sowie davon ab, wie schnell, günstig und sicher ein Vermögenswert einsetzbar ist.
Wo Bitcoin in dieses Bild passt
Bitcoin in Selbstverwahrung ist weder eine Forderung gegenüber einer Bank noch eine Zentralbankreserve. Das Netzwerk erfasst ausgebbare Outputs nach den Protokollregeln; die Befugnis zum Ausgeben wird durch eine kryptografische Signatur nachgewiesen. Ein Bitcoin-Guthaben bei einer Börse ist dagegen gewöhnlich eine Forderung gegenüber dem Betreiber, bis der Nutzer es auf eine selbst kontrollierte Wallet auszahlt.
Eine andere Architektur macht kein System automatisch zum Sieger bei jeder Aufgabe. Bankgeld bietet Kredite, bestimmte Rückbuchungen und Rechtsschutz; Bitcoin erlaubt das Halten und Übertragen eines digitalen Vermögenswerts ohne Bankverbindlichkeit. Ein sinnvoller Vergleich muss stets die betrachtete Ebene und Eigenschaft nennen.