Eine Datei und Geld sind nicht dasselbe
Wenn du ein Foto verschickst, behältst du die ursprüngliche Datei und der Empfänger erhält eine Kopie. Für Informationen ist das nützlich. Würde Geld genauso funktionieren, entstünde mit jeder Zahlung neues Geld. Eine digitale Münze kann daher nicht bloß eine Datei sein, die von Telefon zu Telefon wandert.
Anstelle eines körperlichen Gegenstands muss das System die Berechtigung erfassen, einen Wert auszugeben. Es muss wissen, ob dieser Wert bereits verwendet wurde und ob der rechtmäßige Inhaber die Zahlung freigegeben hat. Eigentum an digitalem Geld ergibt sich daher aus Aufzeichnungen und Regeln, nicht aus Farbe oder Material eines Gegenstands in der Hand.
Eine Signatur beweist Zustimmung, aber keine eindeutige Reihenfolge
Eine digitale Signatur kann zeigen, dass ein Auftrag vom Inhaber des passenden privaten Schlüssels stammt und unterwegs nicht verändert wurde. Allein kann sie aber nicht zwischen zwei verschiedenen, korrekt signierten Aufträgen entscheiden, die denselben Wert ausgeben wollen. Beide können echt sein, doch höchstens einer darf gelten.
Darum ist ein gemeinsames Bild der Vergangenheit nötig. Besitzt jeder Teilnehmer eine andere Buchführung, kann dieselbe Zahlung auf einem Computer gültig und auf einem anderen ungültig erscheinen. Ein Geldsystem muss festlegen, wie neue Einträge verbreitet, geprüft und geordnet werden und wann man sich ausreichend auf sie verlassen kann.
- die Signatur beantwortet, wer die Zahlung autorisiert hat
- der Registerstand beantwortet, was noch ausgegeben werden kann
- die Reihenfolge entscheidet, welche widersprüchliche Zahlung angenommen wurde
Eine zentrale Datenbank ist die übliche Lösung
Eine Bank oder ein Zahlungsunternehmen führt eine maßgebliche Datenbank. Bei einer Kartenzahlung prüft das System das Konto, ändert die Salden und lehnt einen späteren Versuch ab, dieselben Mittel erneut auszugeben. Das ist praktisch, schnell und bei gut geführter Infrastruktur sehr wirksam.
Der Betreiber entscheidet zugleich, wer ein Konto nutzen darf, kann eine Zahlung sperren und muss die zentrale Datenbank vor Fehlern, Angriffen und Machtmissbrauch schützen. Nutzer verlassen sich auf seine Technik, Verträge, Gesetze und Institutionen. Das ist nicht automatisch schlecht; es ist ein bestimmtes Vertrauensmodell.
Die Frage, die Bitcoin beantworten wollte
Bitcoin stellte eine engere technische Frage: Können einander unbekannte Teilnehmer ein gemeinsames Register führen, ohne dass ein einzelner Verwalter das letzte Wort hat? Die Antwort verbindet Signaturen, ein Peer-to-Peer-Netz, Blöcke, Proof of Work und Regeln, die jeder Knoten selbstständig prüfen kann.
Auch Bitcoin beseitigt das gemeinsame Register nicht. Es verändert seine Entstehung und Prüfung. An die Stelle einer privaten Datenbank tritt eine öffentlich überprüfbare Geschichte, aus der jeder vollständige Knoten den gültigen Zustand berechnet. Der nächste Artikel erklärt, wie das Netz zwei widersprüchliche Zahlungen behandelt.