Liquidität ist nicht Solvenz
Eine Bank kann Aktiva besitzen, die mehr wert sind als ihre Schulden, sie aber nicht schnell und ohne großen Verlust in Bargeld umwandeln. Das ist ein Liquiditätsproblem. Liegt der Wert der Aktiva unter den Verbindlichkeiten, besteht Insolvenz. In einer Panik ist beides in Echtzeit schwer zu unterscheiden.
Sofort verfügbare Einlagen ermöglichen bequeme Zahlungen, während Bankkredite über Jahre zurückgezahlt werden. Diese Fristentransformation finanziert Haushalte und Unternehmen, macht aber verwundbar: Eine normale Bank hält nicht alle langfristigen Kredite zugleich in Bargeld.
Wie ein Bank Run entsteht
Erwartet ein Einleger, dass andere abheben und die Bank schließt, kann frühes Abheben vernünftig sein — selbst wenn die Bank ohne Panik überlebt hätte. Schnelle Abflüsse erzwingen Vermögensverkäufe, drücken Preise und können die Angst bestätigen. Misstrauen und Zahlungsbeziehungen übertragen das Problem auf andere.
Die Panik von 1907 in den USA umfasste eine systemweite Flucht aus Einlagen und trieb die Debatte voran, die zur Federal Reserve führte. Von 1930 bis 1933 trafen weitere regionale und nationale Wellen von Bankausfällen die USA während der Großen Depression.
- Bargeldabhebungen verringern die sofortige Liquidität
- Notverkäufe können aus einem vorübergehenden Problem einen Verlust machen
- Bankverflechtungen und gemeinsame Angst können Ansteckung verbreiten
Zwei Schutzmechanismen und ihre Grenzen
Ein Kreditgeber letzter Instanz kann einer solventen Bank gegen geeignete Sicherheiten leihen, wenn der Markt vorübergehend ausfällt. Ziel ist Zeitgewinn und die Vermeidung von Notverkäufen, nicht das Verdecken fehlender Vermögenswerte. Schlechte Hilfe kann Eigentümer vor Fehlentscheidungen schützen und weiteres Risiko fördern.
Eine Einlagensicherung verspricht berechtigten Einlegern Erstattung bis zu einer Grenze und verringert so den Grund für den Wettlauf zur Kasse. Die US-amerikanische FDIC wurde 1933 nach Tausenden Bankausfällen per Gesetz geschaffen. Schutz hat Regeln und Grenzen; seine Glaubwürdigkeit hängt von Finanzierung, Aufsicht und geordneter Abwicklung gescheiterter Banken ab.
Bitcoin entfernt einen Emittenten, nicht jeden Ansturm
Bei selbstverwahrtem Bitcoin gibt es keine Bank, die eine versprochene Einheit einlösen muss. Der Inhaber braucht dennoch seinen Schlüssel, ein funktionierendes Netzwerk und eine Transaktionsgebühr. Der Marktpreis kann stark fallen, doch das ist kein Run auf einen Emittenten mit zu geringen Reserven.
Eine Börse, Kreditplattform oder Verwahrstelle kann Bitcoin entgegennehmen und dem Kunden nur ein vertragliches Guthaben geben. Verleiht sie Aktiva weiter oder passen Laufzeiten nicht, kann derselbe Abhebungsansturm entstehen. Das Wort Bitcoin beseitigt weder Gegenparteirisiko noch schafft es Einlagenschutz.