Ein deterministischer Baum statt unverbundener Schlüssel
Ältere Wallets konnten viele unabhängige Zufallsschlüssel erzeugen, sodass ein Backup auch neue Schlüssel erfassen musste. BIP 32 beschreibt eine hierarchisch-deterministische Wallet: Aus einem Root-Seed leitet sie einen Baum aus Eltern- und Kindschlüsseln ab. Dieselbe Wurzel und dieselben Ableitungsregeln ergeben dieselben Schlüssel.
Ein erweiterter öffentlicher Schlüssel kann einer Watch-only-Wallet erlauben, Empfangsadressen ohne Signiermöglichkeit abzuleiten. Seine Offenlegung kann jedoch Verlauf und Guthaben eines ganzen Zweigs sichtbar machen; er ist deshalb keine gewöhnliche öffentliche Adresse zum sorglosen Teilen.
Was BIP 39 tut
BIP 39 codiert 128 bis 256 Bit computergenerierte Entropie samt kurzer Prüfsumme in 12, 15, 18, 21 oder 24 Wörter. Die Wörter sind kein vom Menschen erfundener Zufallssatz. Reihenfolge, genaue Schreibweise und verwendete Wortliste gehören zu den Daten.
Eine definierte Funktion erzeugt aus der Mnemonik und einer optionalen Passphrase einen 512-Bit-Seed, den BIP 32 verwenden kann. BIP 39 ist ein Anwendungsstandard, keine Bitcoin-Konsensregel, und wird nicht von jeder Wallet genutzt. Die Wortzahl allein beweist weder Kompatibilität noch Implementierungsqualität.
- die Wörter repräsentieren computergenerierten Zufall und eine Prüfsumme
- dieselben Wörter mit anderer Passphrase erzeugen einen anderen Seed
- der Seed ist die Wurzel; einzelne Adressen entstehen durch weitere Ableitung
Warum richtige Wörter eine leere Wallet zeigen können
Wallets nutzen Ableitungspfade und verschiedene Output-Typen wie Legacy, natives SegWit oder Taproot. Sucht die Wiederherstellungssoftware in einem anderen Zweig oder interpretiert den Seed anders, kann sie null Guthaben anzeigen, obwohl die Schlüssel nicht verloren sind. Auch Konto, Netzwerk und Descriptor können wichtig sein.
Zum Backup-Plan gehören daher Wallet beziehungsweise Standard, Adresstyp, eine mögliche Passphrase und passende technische Angaben – aber nicht so zusammengelegt, dass jeder Finder sofort alles erhält. Die Wiederherstellung sollte der Dokumentation kompatibler Software folgen.
Der Seed verleiht Ausgabemacht
Wer Seed und nötige Passphrase besitzt, kann auf einem eigenen Gerät Schlüssel ableiten und einen Transfer signieren. Originalgerät oder Erlaubnis des Herstellers sind nicht nötig. Der Seed gehört daher nicht fotografiert, per Nachricht versendet oder auf einer Website eingegeben, die Prüfung oder Support verspricht.
Eine Prüfsumme erkennt manche Tippfehler, nicht Diebstahl oder einen schwachen, menschlich erfundenen Satz. Eine vertrauenswürdige Wallet soll den Seed aus gutem Zufall erzeugen. Selbst gewählte Wörter oder ein Online-Generator können eine vorhersagbare oder bereits offengelegte Wurzel schaffen.